Baffin Expedition 2008
 
 
Baffin Expedition 2008

20. April 2008

Unsere Abreise stand unter einem guten Stern, wir könnten ihn auch Frau Fichtlscherer von der Lufthansa nennen. Beim Anblick unserer 35 Haulbags, Skisäcke, Schlitten und Rucksäcke bekam Frau Fichtlscherer nicht den von uns befürchteten Nervenzusammenbruch. Vielmehr versuchte sie uns vor dem Hintergrund einer horrenden Rechnung fürs Übergepäck, das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.


Diese gute Stimmung hielt bis Ottawa an und wurde sogar noch durch den ersten lauen Abend mit 23 Grad (plus wohlgemerkt) verstärkt. Die Kanadier ließen ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf, was vor allem die Damenwelt, teilweise sehr ansehnlich zur Geltung brachte.

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21. April 2008

Nach unserer Ankunft in Pond Inlet endete unsere gute Laune abrupt, denn als die Tür der Turboprob-Maschine aufflog traf uns die Kälte mit voller Wucht. Bei minus 20 Grad feierten die Inuits den ersten warmen Frühlingstag. Kinder spielten auf der Straße und die Inuit-Oma fuhr ihren Enkel ohne Mütze auf dem Skidoo spazieren während wir uns bis über die Nasenspitze in unsere Daunenjacken und Hosen verkrochen. Willkommen am Ende der Welt, willkommen in der Realität.


Es braucht eine gewisse Zeit, um sich an die Ausgesetztheit und vor allem an diese extreme Kälte zu gewöhnen, die sich ganz anders anfühlt als unsere Planungsphase im Wohnzimmer. Zwei Jäger kehrten gerade aus dem Querbitter Fjord von der Jagd zurück und erzählten uns frohgelaunt von den vielen Eisbären, die ihnen begegneten- mindestens 11 Stück. Zwei davon konnten sie schießen. Da waren es nur noch neun Eisbären, die uns gestern Nacht in unseren Albträumen quälten.

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22. April 2008

Strahlender Sonnenschein bei minus 20 Grad. Wir packen unsere Ausrüstung, besorgen Gewehre und bauen Warnzäune für die Eisbären. In zwei Tagen werden wir Pond Inlet verlassen. Jeder von uns hat ein mulmiges Gefühl. Was wird uns wirklich in dieser grell- schillernden weißen Wüste erwarten? Wir haben versucht, uns ein Jahr lang vor allem auch mental auf diesen Augenblick vorzubereiten. Doch im Moment sind wir nur extrem beeindruckt und demütig.


Die Kälte ist kein Gegner, wir werden nicht gegen sie ankämpfen können. Wir können nur mit größter Vorsicht und mit der Erfahrung und den wertvollen Ratschlägen der Einheimischen unsere weiteren Schritte planen. Denn wir können nur im Einklang mit dieser grandiosen Natur in den nächsten sechs Wochen leben. Der einzig sichtbare Gegner sind die Eisbären, und auch bei ihnen rechnen wir uns keine Siegeschancen aus. Wir werden nun versuchen Hundeschlitten bis zur Wand für den Materialtransport zu organisieren, denn Hunde sind der beste Schutz vor einem Eisbärenangriff.

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